Herbstmitgliederversammlung 2017


Vortrag

   
„Luther, Reformation – und heute?“

 

Prof. Dr. Siegfried Hermle

Institut für Evangelische Theologie der

Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln

 

Univ. Prof. Hermle zeichnete zunächst den Werdegang Luthers nach. Luther wurde am 14.11.1483 in Eisleben geboren. Die Familie zog nach Mansfeld um, wo er eine Trivialschule besuchte. Er lernte Latein und begann 1501 mit dem Studium des Magisters in Erfurt, dem sich auf Wunsch des Vaters das Jurastudium anschloss. Im Juli 1505 wurde er von einem schweren Gewitter heimgesucht, das ihn in Angst und Schrecken versetzte. Er schwor der heiligen Anna, Mönch zu werden, wenn er heil aus diesem Unwetter herauskäme. Also trat er am 17.07.1505 in das Kloster der Augustiner-Eremiten ein. Im April 1507 wurde er im Erfurter Dom zum Priester geweiht. 1508 folgte das Theologiestudium in Wittenberg und 1512 erhielt er den Lehrstuhl für Theologie an der Universität von Wittenberg und war gleichzeitig Prediger an der dortigen Stadt- bzw. Schlosskirche.

Luther beschäftigte sich intensiv mit der Gerechtigkeit und Liebe Gottes und der Sündenvergebung. Er bemängelte, dass durch die Praxis der Kirche, Ablassbriefe zu verkaufen, die Sünder nicht mehr bereuen würden, weil sie ja bereits für die Sünden gezahlt hätten. Er verfasste deshalb 95 Thesen, die sich mit diesem Ablasshandel befassten und forderte auf, über diese Thesen zu disputieren. Diese Thesen wurden am 31. Oktober 1517, so die Überlieferung, an das Portal der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen. So ein Tor diente zur damaligen Zeit wie heute als ein schwarzes Brett, um Mitteilungen zu verbreiten. Albrecht von Brandenburg regte nun einen Ketzerprozess in Rom an, zu dem es aber nicht kam, dafür aber zu einer Vernehmung auf dem Reichstag in Augsburg. Luther sollte seine Thesen widerrufen, was er jedoch nicht tat. Mit den 4 Aussagen:

- Allein die Schrift

- Allein der Glaube

- Allein die Gnade Gottes

- Allein Christus

seien maßgebend für alle Christen und dafür bedarf es keiner Gelder. Deshalb müsse der Ablasshandel beendet werden. Da die Bischöfe nicht bereit waren, dieses Verfahren abzuschaffen, wandte Luther sich an die Adeligen. Die Kirche trennt zwischen dem geistlichen und weltlichen Stand. Gleichwohl brauchen die oberen Adeligen einen Geistlichen, also braucht jeder Fürst einen Priester. Jeder Mensch ist ein Priester und wenn der geistliche Stand versagt, muss der weltliche Stand eingreifen.

Luther fordert das Priestertum aller Gläubigen (1. Mauer). Auch ein geringer Mensch, wenn er rechter Christ ist, darf den rechten Verstand der Schrift haben (2. Mauer). Mit der 3. Mauer, die fallen soll, bezweifelt er das päpstliche Primat, allein ein Konzil einberufen zu können.

Auf dem Reichstag in Worms wird er verhört. Vor Kaiser Karl V. und den Fürsten des Reiches weigert er sich erneut, zu widerrufen. Damit wird die Reichsacht ausgesprochen bzw. verfügt, so dass Luther als Ketzer gilt und von nun an vogelfrei ist. Luther wird entführt, um ihn zu schützen. Er versteckt sich als Junker Jörg auf der Wartburg in Eisenach.

Was ist heute von der Reformation nachgeblieben?

- Es gibt ökumenische Gemeindehäuser

- Seit 1968 ein gemeinsames Vaterunser

- Ein fast identisches Glaubensbekenntnis beider Konfessionen

- Seit 1999 ist die Rechtfertigungslehre, die die Kirchen trennte, aufgehoben

- Sterbebegleitung statt Sterbehilfe

- Kinderbibelwochen

- Gemeinsame Wallfahrten

Auf die Frage, wie lange es damals dauerte, bis seine Schriften verteilt waren, antwortete Hermle, dass innerhalb von 6 Wochen die Schriften bis nach Basel gelangten.

Eine weitere interessante Frage war, ob man als Protestant an einem Abendmahl in einer katholischen Kirche teilnehmen darf. Prinzipiell ist das kein Problem, weil Christus zum Abendmahl einlädt und nicht die Kirche. Letztlich hängt es vom Pfarrer ab, ob er eine Teilnahme billigt.

Eines seiner wichtigsten Schriften behandelte die Freiheit des Christenmenschen. Jeder Mensch ist frei zu Christus und niemandem untertan. Aber auch der dienstbare Knecht zeigt in seinen Werken seine Dankbarkeit, von Gott geliebt zu werden.

In den vergangenen Wochen wurde sehr viel von und über Luther in den Medien berichtet. Wir haben deshalb in dem Rundbrief die Ausführungen von Prof. Hermle nur stichwortartig wiedergegeben.

 

 

 

 

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